Kirchliche Bevollmächtigte kritisiert CDU-Forderung zu Gebetsräumen

Nachricht 01. Juni 2016
Gäfgen-Track
Dr. Gäfgen-Track auf dem Lehrkräfteforum 2015

Hannover (epd). Die evangelische Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track hat die Äußerungen der CDU in Niedersachsen zu Gebetsräumen an den Schulen kritisiert. Die CDU-Fraktion im Landtag hatte am Dienstag 14 Forderungen zu den geplanten Verträgen des Landes mit den muslimischen Verbänden beschlossen. Unter anderem wendet sie sich gegen die Einrichtungen von Gebetsräumen oder "Räumen der Stille" an Schulen. "Diese Forderung verwundert mich", sagte Gäfgen-Track am Mittwoch im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die CDU hatte die Forderung damit begründet, dass mehr Religiosität an Schulen nicht zur Integration beitrage. Gäfgen-Track widersprach dem deutlich. "Es dient dem Schulfrieden nicht, wenn die Religion verbannt wird", sagte die Bevollmächtigte der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen. Die Integration von Flüchtlingen könne vielmehr nur gelingen, wenn die Menschen mit ihrer Religion und ihrer Kultur ein Teil der deutschen Gesellschaft würden.

Die Religion gebe den Geflohenen Halt in einer Situation, in der sie alles zurückgelassen hätten, betonte Gäfgen-Track. Für das gegenseitige Miteinander sei es wichtig, dass sich Schüler mit ihrer eigenen und der fremden Religion kritisch auseinandersetzten.

Die "Räume der Stille" müssten jedoch jederzeit für Schüler aller Religionen und Weltanschauungen offen sein. "Es dürfen natürlich auch keine Räume sein, die in Bereiche für Männer und Frauen geteilt sind", sagte die evangelische Oberlandeskirchenrätin. Zudem müsse bei den Veranstaltungen deutsch gesprochen werden.

Gäfgen-Track betonte, die evangelischen Kirchen in Niedersachsen drängten weiterhin auf einen Abschluss der Verträge, die das Land mit den muslimischen Verbänden und der Alevitischen Gemeinde schließen will. Die Kirchen wollen jedoch Änderungen an den bisherigen Vertragentwürfen. So solle dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Rechnung getragen werden, nach dem auch muslimische Schüler nur außerhalb des Unterrichts in den Schulen beten dürfen.

Mit ihren Forderungen will die CDU die Debatte um die Islamverträge neu aufrollen. Dabei sollen nach den Vorstellungen der Fraktion mehr Pflichten für die muslimischen Verbände verankert werden. Sie sollen sich etwa verpflichten, religiösen Fundamentalisten wie Salafisten oder Islamisten entgegenzutreten. Die Verbände sollen zudem Muslimen das Recht einräumen, zu einer anderen Religion zu konvertieren. Grundsätzlich wollten die evangelischen Kirchen in Niedersachsen das CDU-Papier noch nicht kommentieren, sondern erst eine neue Textfassung für die Verträge durch die Regierung abwarten.

Die Fraktionsvorsitzenden im Landtag hatten sich am Mittwoch mit Ministerpräsident Stephan Weil zu einem weiteren Gespräch über die Verträge getroffen. Weil äußerte sich danach zuversichtlich, doch noch zu einer Einigung zu kommen. Bis dahin gebe es jedoch noch Diskussionsbedarf.

 

epd-Gespräch: Karen Miether, 2. Juni 2016

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